Die Baumeister des Königs Miriam Fritsch bewertet mit:
    Leser bewerten mit: (noch keine Bewertungen) 255 von 502 Leser/innen fand(en) diese Kritik hilfreich.
"Die Baumeister des Königs" ist eine biblische Variante des "Spiel des Jahres"-Spieles "Carcassonne". Die interessanteste Frage vor dem Studium der Spielregeln war in diesem Fall sicher folgende: Spielt es sich genauso wie "Carcassonne", d.h. bekommt man mit "Die Baumeister des Königs" ein "Carcassonne" mit biblischer Grafik, oder basiert nur das grundsätzliche Spielprinzip auf den Regeln "Carcassonnes", hat aber daneben ein paar eigene Ideen und Regeln? Das Lesen der Regeln, die im Großen und Ganzen u.a. durch viele Beispiele verständlich sind, zeigt schnell, dass es ein paar Abweichungen zum Original "Carcassonne"-Spiel gibt, wenn auch der Bezug zu den "Carcassonne"-Spielen deutlich ist.
Wie bei "Carcassonne" werden verdeckte Landschaftskarten gezogen, die nach und nach zu einem Spielplan ausgelegt werden. Auf den Karten sind Abschnitte von Städten, Straßen (teilweise mit Oasen) und Weiden (teilweise mit Schafen und Wölfen), wobei die gelb dargestellten Weiden eher an Wüsten erinnern, sowie Tempel zu sehen. Nach dem Auslegen einer Landschaftskarte kann man auf diese noch einen seiner 7 Gefolgsleute einsetzen (auf eine Straße, eine Stadt, eine Weide oder einen Tempel), allerdings darf der Teil (z.B. eine Stadt), der besetzt wird, nicht mit einem Abschnitt in Verbindung stehen, auf dem bereits ein Gefolgsmann steht. Später kann es jedoch durchaus vorkommen, dass Teile beispielsweise einer Stadt zusammenwachsen, so dass sich mehrere Gefolgsleute in einer Stadt befinden. Bei einer Wertung bekommt hier nur der Spieler Punkte, der die Mehrheit an Gefolgsleuten stellt. Punkte gibt es immer sobald eine Stadt, eine Straße oder ein Tempel fertig gestellt worden ist. Sie werden auf einer Wertungstafel festgehalten. Außerdem kommen die Gefolgsleute eines gewerteten Abschnittes zurück zum Spieler und können erneut eingesetzt werden. Sollte man einen Gefolgsmann auf eine Weide stellen, so erhält man diesen im Verlauf des Spiels nicht mehr zurück, denn die Weiden werden erst nach Spielende gewertet. Die Größe der Weide spielt hier jedoch keine Rolle, sondern allein die Anzahl der Schafe. Für jedes Schaf gibt es einen Punkt. Falls sich auf der Weide jedoch auch noch Wölfe herumtreiben, so wird für jeden Wolf ein Punkt abgezogen (es gibt aber keine Minuspunkte), denn jeder Wolf frisst ein Schaf. Diese Wertung erinnert an das eigenständige Carcassonne-Spiel "Jäger und Sammler", bei dem ein Säbelzahntiger einem die Punkte für das Wild wegnimmt.
Nun noch zu ein paar abweichenden Regeln: Auf Städte können statt der Gefolgsleute auch Propheten eingesetzt werden. Propheten sind etwas größere Holzfiguren in den Spielerfarben, von denen jeder Spieler einen besitzt. Ein Prophet zählt bei einem Mehrheitenvergleich genauso viel wie ein Gefolgsmann, allerdings verdoppelt er für den Spieler den errechneten Punktewert einer Stadt. Der Einsatz eines Propheten sollte jedoch gut überlegt sein, denn er darf im gesamten Spiel nur einmal benutzt werden.
Die größte Besonderheit dieses Spieles stellt sicherlich die Bundeslade, ein illustriertes Plättchen in einem Pastikfuß, dar. Statt einen Gefolgsmann oder einen Propheten einzusetzen, kann ein Spieler auch die Bundeslade bewegen, allerdings darf diese nur in Richtung eines Tempels gezogen werden (bis zu 5 Felder). Für jeden Gefolgsmann, an dem die Bundeslade vorbeikommt, gibt es einen Punkt. Außerdem bringt der Einzug in einem Tempel Punkte und besonders gut ist es, wenn die Bundeslade gerade dann in einem Tempel steht, wenn dieser fertig gestellt und somit gewertet wird, denn dann wird die Tempelwertung verdoppelt.
Das Spiel endet, wenn alle Landschaftskarten ausgelegt wurden. Nun findet nur noch die Endwertung statt, bei der es neben den Weide- bzw. Schafpunkten auch für unfertige Städte, Straßen und Tempel Punkte gibt, wenn auch nicht mehr so viele wie für fertiggewordene Bauwerke. Sieger ist natürlich derjenige, der auf der Wertungstafel die meisten Punkte hat.
An die Spielregeln wurden für die weniger bibelfesten Spieler noch kurze Informationen zu der Bundeslade, zum Tempel Salomos und zu Propheten gehängt.
Festzustellen ist insgesamt, dass "Die Baumeister des Königs" sich zwar an vielen Stellen ähnlich spielen lässt wie "Carcassonne", wenn man jedoch der Bundeslade Beachtung schenkt, so entwickelt sich durchaus eine eigene Dynamik. Positiv zu erwähnen ist, dass die Thematik nicht künstlich aufgedrückt erscheint, sondern sich gut in das Spiel einfügt.
"Die Baumeister des Königs" lässt sich sicherlich ebenso gut wie ein "normales" "Carcassonne" spielen, wobei die Bundeslade eine interessante Variante darstellt und so sogar noch für "Carcassonne"-Besitzer etwas neues bietet. Trotzdem ist ein Kauf für Leute, die bereits "Carcassonne" und eventuell ein oder zwei weitere Spiele aus der Reihe besitzen, sicherlich nicht besonders attraktiv. Für alle, die im kirchlichen Bereich der Jugendarbeit tätig sind, stellt "Die Baumeister des Königs" jedoch eine schöne Möglichkeit dar, einen Spiele-Nachmittag mit einer thematischen Einheit zu verknüpfen.
Fazit:
"Die Baumeister des Königs" ist ein gutes Spiel, welches man zwar nicht unbedingt kaufen muss, wenn man bereits Spiele aus der "Carcassonne"-Reihe besitzt, welches aber für sich genommen durchaus zu überzeugen weiß. Insbesondere für Leute aus der kirchlichen Jugendarbeit sehr zu empfehlen.
Die Baumeister des Königs
von Klaus-Jürgen Wrede
Diehl Medien/Uljö
ab 8 Jahre
2-5 Spieler
Spieldauer: 30-45 Minuten
Hinzugefügt: Donnerstag, 22. Juni 2006
Verwandter Link: Das Spiel direkt hier bestellen Hits: 2161 Sprache: deu
|