Die Säulen der Erde
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Das Spiel "Die Säulen der Erde" nach dem gleichnamigen Roman von Ken Follett versetzt uns nach England zu Beginn des 12. Jahrhunderts. Hier, genauer gesagt in Kingsbridge, soll der Traum von Prior Philip umgesetzt werden: Die schönste und größte Kathedrale (die Säulen der Erde) des Landes soll gebaut werden. Und dazu werden natürlich jede Menge Baumeister benötigt, die von den Spielern verkörpert werden.

Beim Betrachten des Spiels fällt sofort eins ins Auge: Das schön gestaltete Material. Einerseits besteht es aus vielen Holzteilen (kleine Bauklötzchen, die Rohstoffe darstellen, die Kathedrale, bestehend aus 6 Teilen und pro Spieler 7 kleine sowie ein großer Arbeiter und 3 Baumeister ) und andererseits überzeugt insbesondere die Illustration des Spielplans sowie die der Karten. Hier hat der Illustrator Michael Menzel ganze Arbeit geleistet: Alles ist sehr detaillreich und mit viel Liebe ausgeschmückt, so dass man sich immer wieder am Anblick dieses tollen Spielpans erfreuen kann. Allein das Äußere des Spiels macht viel Lust auf dieses Spiel.
Der Spielplan wird von zwei Leisten begrenzt: Der Siegpunktleiste sowie einer Leiste, die anzeigt, wieviel Gold bzw. leider viel zu oft wie wenig Gold man nur noch hat, denn bei vielen guten und teuren Angeboten ist es gar nicht so einfach zu wirtschaften und auf einmal ist der Geldsack so gut wie leer.

Das Spiel verläuft in 6 Runden mit jeweils drei immer gleich ablaufenden Phasen.
Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler die gleichen drei Handwerker: Einen Schreiner, einen Mörtelmischer und einen Steinmetz, die jedoch im Vergleich zu später auftauchenden Handwerkern nur schlecht ausgebildet sind und dem Spieler somit nicht zu all zu vielen Siegpunkten bringen werden. Auf jedem Handwerker ist angegeben, welchen Rohstoff er verarbeiten kann, z.B. kann der Schreiner Holz verarbeiten. Außerdem gibt die Karte an, wieviel Holz für einen Siegpunkt benötigt wird. In dem Fall des Schreiners werden zwei Holz für einen Siegpunkt benötigt. Darüber hinaus unterscheiden sich die Handwerker auch in ihrer Ausdauer, d.h. der Schreiner kann nicht beliebig oft Holz in Siegpunkte umtauschen. Auf der Karte des Schreiners wären dies vier Mal. Insgesamt können also 8 Holzklötzchen in 4 Siegpunkte in einer Runde verwandelt werden. Der Steinmetz weist mit dem Rohstoff Stein die gleiche Qualität auf, während der Mörtelmischer drei Sand benötigt um sie (auch nur drei Mal in einer Runde) in einen Siegpunkt zu verwandeln.

Nun zu dem Spielablauf:

Phase 1: Baustoffkarten und Handwerker auswählen

Es liegen immer zwei Handwerker sowie 7 (von 9) Baustoffkarten aus. Beginnend mit dem Startspieler können sich die Spieler der Reihe nach Karten nehmen. Hat man sich für einen Handwerker entschieden, so muss man dafür die auf der Karte angegebenen Kosten bezahlen, denn ein Handwerker möchte schließlich auch Lohn erhalten. Obwohl man dafür manchmal relativ viel Geld ausgeben muss, so lohnt es sich dennoch Handwerker anzuwerben, denn mit den Handwerken, die man zu Beginn des Spiels erhalten hat, wird man im Laufe des Spiels nicht weit kommen. Die Handwerker, die nach und nach ins Spiel kommen, weisen immer bessere Qualitäten auf. So gibt es in einer späteren Runde sogar den Bildhauer, der aus nur einem Stein zwei Siegpunkte machen kann, oder den Glockengießer, der ein Metall in vier Siegpunkte umwandelt, wobei es nicht ganz einfach ist an Metall heranzukommen. Darüber hinaus gibt es Handwerker, die Gold in Siegpunkte oder Holz in Gold umwandeln können, was auch von Vorteil sein kann. Hier gilt es also genau zu überlegen, in wen man am besten sein weniges Geld inverstiert.Außerdem darf man nur fünf Handwerker beschäftigen. Hat man bereits fünf Handwerker und möchte einen weiteren anwerben, so muss man, wie im echten Leben, einen Handwerker entlassen.
Neben den Handwerkern kann man sich auch Baustoffkarten aussuchen. Baustoffkarten gibt es für Stein, Sand und Holz. Insgesamt gibt es von jedem Rohstoff drei Karten, allerdings werden wie oben erwähnt, pro Runde nur sieben Karten zur Auswahl ausgelegt Sie sind ebenfalls sehr wichtig, denn ohne Rohstoffe kann man sich nicht am Bau der Kathedrale beteiligen und so auch keine Siegpunkte erhalten. Wenn man nun Holz produzieren möchte, so nimmt man sich eine Karte "Wald". Auf der Karte ist angegeben, wieviel Holz sie produziert und wieviel Arbeiter dafür benötigt werden. Die benötigte Anzahl an Arbeitern wird direkt in den Wald zum Bäume abholzen geschickt. Analoges gilt für die Karten Steinbruch (Stein) und Kiesgrube (Sand).
Hat man am Ende dieser Phase noch Arbeiter übrig, die nicht eingesetzt wurden, so stellt man sie in die Wollmanufaktur, wo sie später wertvolles Gold erbringen.

Phase 2: Baumeister einsetzen

Alle Baumeister (von jedem Spieler drei Stück) werden in den schwarzen Beutel geworfen, aus dem sie nun der Reihe nach gezogen werden Die Baumeister werden auf die verschiedenen Felder des Spielplans gestellt, wobei alle Felder bestimmte Vorteile erbringen (nähere Erläuterung im Abschnitt zu Phase 3).
Das Einsetzen der Baumeister kostet allerdings Gold, wobei für den ersten gezogenen Baumeister 7 Gold bezahlt werden müssen, für den zweiten 6, für den dritten 5 usw. Hat man nicht genug Gold oder möchte es nicht bezahlen, so kann man auch passen und stattdessen seinen Baumeister zunächst auf die Kostenleiste stellen. Nachdem alle Baumeister gezogen wurden, können dann der Reihe nach die Baumeister auf der Kostenleiste kostenlos eingesetzt werden. Allerdings gilt zu beachten, dass zu diesem Zeitpunkt oft die besten Felder bereits besetzt sind (und auf die meisten Felder kann nur ein Baumeister gesetzt werden). Es gilt also abzuwägen, wieviel einem der Einsatz eines Baumeisters auf ein bestimmtes Feld wert ist. Lohnt es sich dafür viel Geld einzusetzen oder sollte man besser sparen und das Risiko eingehen, dass man am Ende nur noch wenig geeignete Felder frei vorfindet? Hinzu kommt, dass man sich oft gar nicht entscheiden kann, welche Felder nun besser sind als andere, denn am liebsten würde man mindestens fünf von ihnen besetzen, was bei drei Baumeister jedoch leider unmöglich ist.
Durch die Kostenleiste ist es den Autoren Michael Rieneck und Stefan Stadler gelungen, den hohen Glücksanteil, der durch das Ziehen der Baumeister gegeben ist, wieder auszugleichen. Einerseits ist es überaus vorteilhaft direkt als erstes gezogen zu werden, da man dann die freie Auswahl hat, andererseits muss man daüfr eine ganze Menge Gold investieren, die einem oft leider nicht einmal zur Verfügung steht.

Phase 3: Spielplanaktionen

Nun zahlen sich die Vorarbeiten aus Phase 1 und 2 aus. Im Uhrzeigersinn werden alle Felder des Spielplans abgehandelt, wobei die Felder zusätzlich nummeriert sind und auf dem Spielplan in wenigen Worten erwähnt wird, was bei den einzelnen Feldern passiert, so dass man nichts falsch machen kann und ohne noch einmal in die Regeln gucken zu müssen, alles flüssig abläuft.
Als Erstes kommt das Ereignisfeld, bei dem jede Runde eine Ereigniskarte aufgedeckt wird. Hier kann es alle böse erwischen, die es nicht rechtzeitig geschafft haben, einen Baumeister auf das einzige Feld zu stellen, das einem vor einem negativen Ereignis schützt. So erhebt beispielsweise William Hamleigh eine Zwangsabgabe von vier Gold oder Teile der Kathedrale stürzen ein und alle Spieler verlieren einen ihrer Handwerker. Es gibt jedoch auch positive Ereignisse, bei denen die Spieler beispielsweise zusätzliches Gold oder Metall erhalten.
Als nächstes erhalten die Spieler pro Arbeiter in der Wollmanufaktur ein Gold. In Kingsbridge erhalten die Spieler, die dort einen Baumeister positioniert haben eine Vorteilskarte (z.B. bekommt man durch Aliena jede Runde ein zusätzliches Holz, Jack erlaubt einem sechs statt fünf Handwerker zu beschäftigen und durch die Wollmesse in Kingsbride erhält man sofort (und einmalig) 8 Gold). In der Priorei gibt es für die Baumeister zwei bzw. einen Siegpunkt und aus dem Wald, dem Steinbruch und der Kiesgrube dürfen sich die Spieler nun entsprechend ihrer Baustoffkarten aus Phase 1 Rohstoffe nehmen (auch die Arbeiter kommen wieder zurück nach Hause). Im Königshof, der vier Felder bereit hält, kann man sich von der Steuer befreien lassen, welche Runde für Runde willkürlich ausgewürfelt (2-5 Gold) wird. Außerdem erhält der Spieler, der als erstes den Königshof besucht hat für seine Treue zum König ein Metall. In Shiring gibt es für den Einsatz der Baumeister Handwerker, die nun kostenlos zu einem kommen und in der benachbarten Burg von Shiring erhält man zwei Arbeiter für die nächste Runde, die einem durch ihren tatkräftigen Einsatz in Kiesgrube, Steinbruch oder Wald dabei helfen Rohstoffe heranzuschaffen. Der nächste Punkt ist Kingsbridge Baustoffmarkt, bei dem Baustoffe an- und verkauft werden können, wobei Metall nur verkauft werden kann. Außerdem ist die Anzahl der Waren, die man kaufen kann begrenzt: Von jedem Rohstoff hält der Markt nur vier Stück bereit, so dass es auch hier wichtig sein kann, mit seinem Baumeister auf dem ersten der vier Marktfelder zu stehen.
Und nun endlich geht es an den Kathedralenbau: Alle Spieler, die sich durch Rohstoffe am Bau beteiligen können, erhalten Siegpunkte und zwar entpsrechend der Fähigkeiten der Handwerker (s. Beschreibung der Handwerker im Abschnitt zu Phase 1). Es können dabei auch Rohstoffe für die nächste Runde aufgespart werden, jedoch nicht mehr als insgesamt 5. Außerdem wird an dieser Stelle eins der sechs Teile der ausgeformten Holzkathedrale auf den Spielplan gesetzt, so dass am Ende tatsächlich eine kleine Kathedrale entstanden ist.
Das letzte Feld auf dem Spielplan ermöglicht es einem, der nächste Startspieler zu werden, was den Vorteil hat, das man als erstes sich eine Karte der Auslage nehmen kann. Sollte sich kein Baumeister auf diesem Feld befinden, so wird der nächste Spieler im Uhrzeigersinn Startspieler.


Und schon kann die nächste Runde beginnen!

Das Spiel "Die Säulen der Erde" ist eine schöne Verbindung zwischen zwei Kulturgütern - dem Buch und dem Spiel. Menschen, die das Buch gelesen haben, werden neugierig auf das Spiel sein und umgekehrt kann das Spiel dazu anregen, sich das Buch zu Gemüte zu führen.
Um Spaß an dem Spiel zu haben, ist es jedoch keinesfalls notwendig das Buch gelesen zu haben. Auch mir selbst ist das Buch leider nicht bekannt, so dass ich keine Aussage zur stimmigen Umsetzung des Buches machen kann. Allerdings habe ich von anderen Spielern gehört, dass dies gut gelungen sei.
An dieser Stelle ein Zitat von Ken Follett, dem Autor des Buches "Die Säulen der Erde":

"Ich muss zugeben, ich hätte mir nie vorstellen können, dass 'Die Säulen der Erde' eines Tages als Brettspiel erscheinen würden. Aber es funktioniert wunderbar und wir alle haben sehr viel Spaß damit."

Ein paar Spielzüge des Spiels erinnern vielleicht an das erfolgreiche und komplexe Spiel "Caylus" (z.B. das Einsetzen der Baumeister auf verschiedene Felder und das spätere "Abarbeiten" dieser), dennoch ist es ein völlig anderes Spiel, welches auch einen einfacheren Einstieg bietet. Im Gegensatz zu Caylus vermischen sich hier Glückselemente (Ziehen der Baumeister, Ereignis) mit einer planbaren Strategie. Gerade diese Mischung macht es aus, dass trotz vieler Aktionen, die man durchführen kann, das Spiel nicht zu einem Denkspiel wird, sondern locker bleibt, und das bei einem guten Spielfluss viel Spaß aufkommen lässt. Auch dass auf dem Spielplan alles selbsterklärend ist, ist überaus positiv zu bewerten, da es einen fließenden Spielablauf unterstützt.
"Die Säulen der Erde" lässt sich in allen Spielerbesetzungen gut spielen, wobei es natürlich bei vier Spielern schwieriger ist an die Handwerker zu kommen als bei zwei Spielern. Andererseits kann jeder Spieler ja auch nicht mehr als fünf Handwerker gebrauchen und oft reicht auch das Geld gar nicht, so dass es doch immer wieder die Möglichkeit gibt neue Handwerker anzuwerben.
Schön ist auch, dass es zwar viele verschiedene Möglichkeiten gibt, die man machen kann, dass sich das Spiel aber dennoch, wenn man nicht gerade mit mehreren Grüblern spielt, relativ zügig spielen lässt, so dass man die auf dem Karton angegebenen 90-120 Minuten durchaus unterschreiten kann. So haben wir beispielsweise bei einem Spiel zu dritt nur 60 Minuten benötigt.

Fazit: Ein sehr schönes stimmiges Spiel, welches nicht nur einen großen Spielspaß erzeugt, sondern auch wunderbar anzusehen ist. Auch für Leute, die das Buch nicht gelesen haben, äußerst empfehlenswert! Von mir gibt es eine eindeutige Kaufempfehlung!


Eine Rezension des Hörbuches "Die Säulen der Erde" ist hier zu finden.


Die Säulen der Erde
Autoren: Michael Rieneck und Stefan Stadler
Illsutrationen: Michael Menzel
Kosmos
2-4 Spieler
ab 12 Jahren
Spieldauer: ca. 90-120 Minuten (Eigene Erfahrung: ab 60 Minuten)


Hinzugefügt:  Mittwoch, 27. September 2006

Verwandter Link:  Spiel "Die Säulen der Erde" direkt hier bestellen
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