Flaschendrehen Miriam Fritsch bewertet mit:
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In der Schule im Fußball glänzen, die ersten Annäherungen an Mädchen inklusive Doktorspielen, Bravo-Starausschnitte, Winnetous Tod, Flaschendrehen auf Partys - das alles war in der Kindheit und Jugend wichtig. Munter drauf los erzählt Jess Jochimsen von eindrücklichen Kindheitserlebnissen, die sein Leben lange Zeit prägen würden. Dabei wird insbesondere das Lebensgefühl der siebziger/achtziger Jahre hervorgehoben. Es handelt sich also um Episoden, die in ähnlicher Weise auch andere Menschen, die wie Jochimsen Anfang der Siebziger geboren wurden, erlebt haben dürften, beziehungweise die sie an ihre eigene Kindheit und Jugend erinnern werden. Ergänzt werden die Jugenderinnerungen durch Erlebnisse des Erwachsenwerdens und die Sicht eines Anfangdreißigers auf die Dinge des Lebens sowie schwarz-weiß Fotos, die den Inhalt des Textes auf witzige Art und Weise ergänzen.
Ich selbst gehöre wohl nicht zur Zielgruppe des Buches, da ich ca. 10 Jahre später aufgewachsen bin. Dennoch kenne ich viele der Schilderungen auch aus meiner eigenen Kindheit, übermäßig witzig fand ich sie allerdings nicht, zumindest nicht in der Gesamtheit gesehen. Einzelne Kapitel und Stellen ließen mich durchaus schmunzeln, in Erinnerung schwelgen oder auch mal lachen, aber vieles war für mich nur eine durchschnittliche Beschreibung von Erlebnissen, Zuständen und Situationen. Besonders nervig empfand ich beim Lesen des Buches der ständige Bezug auf Hitler, über den ich so gar nicht lachen konnte. Gut dahingegen haben mir die schwarz-weiß Fotos des Autors gefallen. Hier wurden viele witzige Details der Umwelt abgelichtet, die man in der Hetze des Alltags oft gar nicht wahrnimmt.
Es fällt mir schwer ein abschließens Urteil zu diesem Buch zu finden, welches den Anspruch hat, Episoden aus dem Leben einer bestimmten Generation lustig und locker darzustellen. Viele Schilderungen treffen dabei sicherlich nicht ausschließlich auf eine Generation zu, sondern haben eher etwas allgemeingültiges von Kindheit und Jugend. Und ob die Darstellung witzig ist, wer kann das schon beurteilen? Schließlich lacht jeder über eine andere Art von Humor, was viele andere positive Meinungen über dieses Buch zeigen. Vielleicht ist es ja der Humor der Kinder der 70er, der so besonders ist. Ich jedenfalls habe ihn nicht.
Flaschendrehen
oder: Der Tag, an dem ich Nena zersägte
von Jess Jochimsen
dtv
ISBN: 3-423-20568-7

Diese Rezension wurde erstmals unter RoterDorn veröffentlicht.
Hinzugefügt: Sonntag, 12. November 2006
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