Zug um Zug Europa
 Robert Hotstegs  bewertet mit:    Leser bewerten mit: (noch keine Bewertungen)
   184 von 356 Leser/innen fand(en) diese Kritik hilfreich.

"Das Zug-Abenteuer geht weiter!" Mit diesem Slogan überschreibt der Days-of-Wonder-Verlag seine Europa-Ausgabe des Spiels "Zug um Zug". Die kontinentale Fassung ist Mitglied der Familie des Spiel des Jahres von 2004 (siehe Kritik von Christine Holm "Zug um Zug"), in der auch "Ticket to ride" als Computerspiel und "USA 1910" als Ergänzungsset zu finden sind.

Das Spiel richtet sich an zwei bis fünf Spieler ab 8 Jahren und lädt ein, bis zu eine Stunde lang im Jahr 1901 zwischen den schroffen Hügeln von Edinburgh, der sonnenüberfluteten Hafenanlage von Konstantinopel und den staubigen Gassen Pamplonas zu reisen. Dabei dürfen natürlich auch Stationen in Deutschland nicht fehlen. Hier laden Bahnhöfe in Essen, Berlin, Frankfurt und München zum Zwischenstopp ein.

Das grundsätzliche Spielprinzip ist zum Ausgangsspiel gleich geblieben. Wer daher schon einmal "Zug um Zug" gespielt hat, kommt schnell auch auf der neuen Landkarte zurecht. Ziel des Spiel ist es, die meisten Punkte zu erreichen. Punkte erhält man für einzelne Bahnstrecken zwischen zwei benachbarten Städten auf dem Plan (also z.B. London - Amsterdam), eine durchgehende Bahnverbindung zwischen zwei Städten, die man zuvor auf Zielkarten gezogen hat (z.B. Smolensk - Zagrab über die Zwischenstationen Wilno - Warszawa - Wien - Budapest), sowie für die längste Strecke und für Bahnhöfe, die man noch am Ende des Spiels übrig hat. Minuspunkte gibt es für Zielkarten, deren Strecke man am Ende des Spiels noch nicht vervollständigt hat.

Wer diese Punktelieferanten vor Augen hat, der darf sich mit seinen Wagen und Bahnhöfen auf den Weg machen, Eisenbahnmagnat zu werden.

Spannend sind hierbei auch für erfahrene Eisenbahner die neuen Spielzüge, die es im ersten Spiel von Alan R. Moon noch nicht gab: die Fahrt mit einer Fähre, das Durchfahren eines Tunnels und den Bau eines Bahnhofs.

Fähren machen es nämlich jetzt erforderlich, seine Jokerkarten gezielter einzusetzen. War es bislang möglich, eine Wegstrecke dadurch zurückzulegen, dass man die entsprechende Anzahl von Wagenkarten von der Hand spielte und evtl. fehlende Karten durch eine Lokomotive als Joker ausglich, gibt es jetzt mit den Fähren spezielle Strecken, die zwingend mindestens eine Lok erfordern. Es zahlt sich also aus, mit den Jokern gut gehaushaltet zu haben, wenn man eine der 13 Fährenstrecken nutzen möchte. So ist zwar zwischen Kobenhavn und Essen jeweils nur eine Lokomotive für eine der Strecken notwendig, die Strecke Palermo - Smyrna schlägt aber auch gerne mit zwei Triebfahrzeugen zu Buche.

Für Glücksritter sind in Europa die Tunnel erfunden worden. Waren in den USA die Überlandstrecken überschaubar und - zumindest ihrer Länge nach - einzuschätzen, entpuppt sich mitten im Spiel so manche unterirdische Strecke als viel länger als erwartet. Nehmen wir einmal die Fahrt von Paris nach Zürich als Beispiel. Auf dem Plan ist die Strecke mit drei Feldern eingezeichnet, sodass mindestens drei Wagenkarten ausgespielt werden müssen. Anschließend werden aber noch die obersten drei Karten des Wagennachziehstapels aufgedeckt. Zeigen die dort aufgedeckten Karten die gleiche Farbe, wie sie der Spieler zuvor ausgespielt hat, muss er noch einmal so viele Karten nachlegen. So kann sich die Strecke in die französische Hauptstadt also leicht von drei auf bis zu sechs Wagenkarten verlängern. Nur wer so viele Karten auf der Hand hat, darf den Tunnel durchfahren. Andernfalls müssen die ausgespielten Karten wieder auf die Hand genommen werden und die Karriere als Eisenbahnunternehmer kann erst in der nächsten Runde fortgesetzt werden.

Da ist es schon leichter, mit den neuen Bahnhöfen zu taktieren. Drei Gebäude stehen jedem Spieler zur Verfügung und ermöglichen es, eine Strecke eines anderen Spielers zu nutzen, die dort endet oder beginnt. So ist es möglich als "blinder Passagier" dort mitzufahren, wo man selbst nicht hingelangt ist. Für die erste Bahnhofseinweihung ist lediglich eine Wagenkarte erforderlich, die zweite kostet zwei, die dritte drei Wagenkarten der gleichen Farbe. Und auch ohne Richtfest können sich die Bahnhöfe schon lohnen, denn für jeden am Ende des Spiels nicht verwendeten Bahnhof gibt es noch einmal vier Pluspunkte.

So ist das Zugreisen also auch spielerisch mitten in Europa angekommen und hat gleich drei wesentliche Spielveränderungen mitgebracht, die es alten Hasen und Neueinsteigern gleichermaßen möglich machen, die Dampflok anzufeuern und durch die Jahrhundertwende zu fahren.

Am mitgelieferten Spielmaterial hat sich nichts geändert. 45 Plastik-Wagen je Spieler, 3 Plastik-Bahnhöfe und 158 Spielkarten nehmen auf dem und rundum das Spielbrett Platz und sorgen für einen kurzweiligen Spieleabend.

Zug um Zug Europa
von Alan R. Moon
Days of Wonder
ab 12 Jahre
2-5 Spieler
Spieldauer: ca. 60 Minuten


Hinzugefügt:  Mittwoch, 12. September 2007

Verwandter Link:  "Zug um Zug Europa" direkt hier bestellen
Hits: 1009
Sprache: deu

  

[ Fanden Sie diese Kritik hilfreich?  Ja  Nein ]
[ Zurück zur Übersicht ]

Sie sind nicht berechtigt Komnmentare zu veröffentlichen